BELL / BUIA / Bólya

Dorf und evangelische Kirche
Die Ortschaft liegt an der Mündung eines linken Seitenbachs in den Kaltbachs. Die Besiedlung dieser Region durch deutsche Kolonisten erfolgte erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Bewohner der neuen Siedlungen waren in der Mehrzahl Leibeigene, die Dörfer waren schon vor der Besiedlung an Grundherrn verliehen worden. Das Kaltbachtal führt von Osten nach Westen und trennt den Großkokler Höhenzug vom Harbach-Hochland. Die Landwirtschaft prägte die Region seit jeher. Neben Ackerbau und Viehzucht spielte der Weinbau eine wichtige Rolle, heute büßt dieser allerdings zunehmend seine Bedeutung ein. Abseits von den Hauptverkehrswegen Siebenbürgens dämmert hier manche Ortschaft still vor sich hin. Bell war eine Grundherrschaft ungarischer Adelsfamilien und gehörte zum Weißenburger Komitat. Nach der ersten urkundlichen Erwähnung von 1296 war das Dorf eine Grundherrschaft der Adligen von Kaltwasser. Mehrere Adelsfamilien besitzen abwechselnd die Ortsteile Ober- und Unterbell. 1505 bemächtigen sich die Gräfen von Hetzeldorf der Ortschaft. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sind die Sachsengrafen und Königrichter Johannes Lulay und Markus Pempflinger Grundherrn. Durch eine Belehnung des siebenbürgischen Fürsten Sigismund Báthory wird der Fürst der Walachei Michael der Tapfere zwischen 1596-1601 neuer Eigentümer vom Dorf und dem Schloss, um anschließend wieder in adligen Besitz überzugehen. Seit Ende de17. Jahrhundert gelingt es der Dorfbevölkerung sich trotz der adeligen Herrschaft, an die Gerichtsbarkeit des freien sächsischen Königsbodens anzuschließen. Bei Auflösung der Leibeigenschaft besaßen 15 Adelsfamilien Besitzanteile im Ort. Während einer Kirchenvisitation konstatiert Bischof Georg Daniel Teutsch 1872, dass in der evangelischen Kirche nur siebenbürgisch-sächsisch gepredigt wurde. In der Zwischenkriegszeit werden die Pfarreien aus Bell, Engenthal und Michelsdorf an jene in Petersdorf angeschlossen. Bell ist der Geburtsort des Mathematikers János Bolyai. 1850 lebten im Ort 1.103 Personen, 1930 betrug die Einwohnerzahl 2.057, davon waren 1.138 Ungarn, 630 Rumänen 17 Deutsche, 26 Juden und 241 Roma.

Ruine des Bolyai Schlosses
Der Familientradition nach war der Erbauer des Schlosses Gaspar Bolyai II. Das Schloss besteht aus einem Hauptgebäude aus dem 15. Jahrhundert, an das sich die gotische Kapelle am Seitenflügel anschließt. Es folgen am gegenüberliegenden Flügel der Kapelle Wirtschaftsbauten. Die gesamte Anlage schützte eine Ringmauer, die heute nur an einige Stellen sichtbar ist.

Evangelische Kirche
Den Sakralbau deckt ein einheitliches Satteldach. Nach Norden ist das Kirchenschiff mit einem Spitzgiebel mit Nische. Zwei abgetreppte Strebepfeiler stützen den Saal. Seine Form erhielt der heutige Glockenturm im 17. Jahrhundert.

Evangelische Kirche
Die kleine Saalkirche mit polygonalem Chorschluss, dem hl. Nikolaus geweiht, hat einen Glockenturm an der Ostseite. Sie ist wegen der Hanglage nach Süden ausgerichtet. Der Zugang erfolgt über den Turmeingang, dessen Türrahmen 1638 datiert ist.

Evangelische Kirche
Der unregelmäßige polygonale Chor wird an der Außenseite durch vier Strebepfeiler gestützt. Auch hier passte der Baumeister die Ausführung des Mauerwerks der Hanglage an.

Innenansicht
Im 17. Jahrhundert erhält der Saal eine Kassettendecke. Die quadratischen Felder tragen traditionelle Motive der Schreinermalerei. An den flachgedeckten Saal schließt der tonnengewölbte Chorraum mit Stichkappen an. Im Chor steht ein spätgotisches Gestühl, der Renaissancealtar von 1561 wurde im 19. Jahrhundert übermalt. Über dem gemauerten Kanzelkorb erhebt sich ein barocker Schalldeckel.

Altar
Laut einer Inschrift entstand der Altar 1693 und erhielt durch Johann Binder 1821 eine neue Bemalung. Vier Pilaster teilen das untere Register in drei Felder, die den Gekreuzigten, Maria und Johannes tragen.

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Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos