Bogeschdorf / Băgaciu / Százbogács

An einen südlichen Zufluss der Kleinen Kokel, auf der Terrasse am gleichnamigen Bach, entstand Bogeschdorf. Die Ortsgründung geht auf die letzte Ansiedlungsperiode des 13. Jahrhunderts zurück. Verwaltungsmäßig gehörte die freie Gemeinde zum Mediascher Stuhl, später Großkokler Komitat, heute zum Landkreis Muresch. Kirchlich war die Gemeinde Vorort des Bogeschdorf Kapitels der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinden des Zwischenkokelgebietes. Über Jahrhunderte war Landwirtschaft die Hauptbeschäftigung der Ortsbewohner. Zwei Jahrhunderten nach der Ansiedlung erreichte der Ort im 15. Jahrhundert einen gewissen Wohlstand. Aufschlussreich sind die Errichtung eines stattlichen Sakralbaus und der erfolgreiche Weinanbau. Der Bogeschdorfer Wein genoss auf den siebenbürgischen Märkten einen hervorragenden Ruf. Im Jahr 1850 leben in Bogeschdorf 802 Personen, 1930 stieg die Zahl auf 1.224 Einwohner, davon waren 727 Deutsche, 197 Rumänen, 69 Ungarn und 227 Roma. 2011 lebten in Bogeschdorf 2.474 Einwohern, davon waren 13 Deutsche.

Kirchenburg
Gleichzeitig mit der Errichtung des Glockenturms gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde um das Gotteshaus ein ovaler Bering gelegt. Drei vorgelagerte Basteien und ein Torturm im Südwesten verstärken die Wehrmauer mit überdachtem Wehrgang. Vor die Basteien wird eine zweite Mauer aufgeführt, die so den Zwinger für das Vieh bildet. Über dem Langhaus und Chor wird gleichzeitig ein Wehrgeschoss errichtet. Die ursprünglich der Jungfrau Maria geweihte Kirche geht auf eine turmlose Saalkirche mit Sakristei aus dem 15. Jahrhundert zurück. Das Schiff überdeckte eine Flachdecke, beidseitig der Triumphbogens befinden sich zwei Nischen für die Seitenaltäre. Umfassende Restaurierungsarbeite werden aus Mitteln der Kulturstiftung der Länder 1996-1997 durchgeführt.

Spätgotischer Flügelaltar
Auf einer Mensa aus Stein steht der vorreformatorische Altar von 1508 des Schäßburger Schreinermalers Johannes Stoß. Auf der Predella ist auf drei Tafeln Christus als Schmerzensmann ersteigt dem Sarkophag, zwischen Maria und Johannes dargestellt. Im Mittelschrein stehen die Halbplastiken der Muttergottes mit dem Jesuskind von der hl Katharina und Maria Magdalena. Die vier Tafeln der beweglichen Flügel zeigen die Verkündigung, Heimsuchung, Geburt und die Anbetung der Maria. Den oberen Teil krönt ein reiches Gesprenge.

Flügelalter Werktagsseite
Die Tafeln der Werktagsseite führen von links nach rechts die Heiligen Florian und Georg, die Bischöfe Urban und Nikolaus, Petrus und Paulus, Christophorus und Valentin, Johannes der Täufer und Bartholomäus, Antonius und Leonhardus, Stephan und Lauretius sowie die Ärzte Cosima und Damian.

Chorgestühl
An der Südchorwand lehnt ein viersitziges Gestühl mit Vorderseite, Rücklehne und Baldachin mit Flachschnitzerei. Unter dem Baldachin steht die Inschrift: „HOC OPUS PERFCTUM ME JOHANNEM REICHMUT MESATORE SCHEGESVARENSEM AD LAUDAM ET HONOREM MARIAE VIRGINIS. A.(nno) 1533“. Auf dem rechten Feld der Vorderseite des Pultes ist eine Eule sowie der Spruch: „ICH PIN EYN FOGEL UND HEYS DY AYL UND VER MICH HASSET DEN SCHENT DIE PAYL“.

Westportal
Das siebenfach gestaffelte Westportal wird von zwei Fialen flankiert, die von einem Wimperg gekrönt sind. Seitlich davon sind in Halbrelief zwei Löwen dargestellt. Beeindruckend sind die Kapitelfriese mit dem feinen Trauben- und Weinblätterschmuck. Das Bogenfeld war ursprünglich bemalt.

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Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos