Hetzeldorf / Aţel / Ecel

Dorf und Kirchenburg
In einem südlichen Seitental der Großen Kokel liegt Hetzeldorf, das der Überlieferung nach Hezelo aus Merkstein bei Aachen um 1148 gründete. Die Ortschaft am Hetzeldorfer Bach hat je eine bachbegleitende Straße, auf der Westseite erhebt sich die Kirchenburg. Von 1315 bis 1557 herrschte in Hetzeldorf das mächtige Gräfengeschlecht der Thobiassy. Der bedeutendste Graf war Ladislaus, der zeitweise in der Kanzlei des ungarischen Königs Mathias Corvinus diente. Dank Ladislaus‘ Stellung am Hofe des Königs erhielt Hetzeldorf das Marktrecht und die Strafgerichtsbarkeit. Erst nach dem Untergang der Grafen wurde Hetzeldorf eine freie Gemeinde der Zwei Stühle: Mediasch und Schelk. Die Gemeinde zählte 1516 140 Hauswirte, 1532 steigt die Anzahl auf 160 Wirte. Die Schule besteht seit 1462 durch die Nennung des ersten Lehrers Sigismund. 1872 wurde das erste Schulgebäude errichtet. Infolge der Zunahme der Schülerzahl wurden zwischen den beiden Weltkriegen die Neue Schule und die Staatsschule der Rumänen fertiggestellt. 1925 wurde auch der Gemeindesaal erbaut. 1930 zählte die Gemeinde bei einer Gesamtbevölkerung von 1.788 Einwohnern 1.201 Deutsche. Nach der Wende wurde in Hetzeldorf durch die Mediascher Diakonie ein Altenheim eigerichtet, indem rund 30 Personen ihren Lebensabend genießen. 2011 Gesamteinwohner 1.429, davon 77 Deutsche.

Kirchenburg
Die dreischiffige Pfeilerbasilika hl. Nikolaus aus dem 14. Jahrhundert mit Querschiff und massivem Westturm errichtete ein Baumeister der Hermannstädter Bauhütte. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche befestigt, der Chor erhält ein Wehrgeschoss. Ein ovaler doppelter Bering mit Torturm umgibt den Sakralbau.

Evangelische Kirche
Ursprünglich errichtete die Dorfgemeinschaft einen romanischen Vorgängerbau, der im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts zu einer gotischen Basilika mit polygonalem Chor und einem Glockenturm umgebaut wurde. Hinzu kommt dann 1429 ein Querschiff. Die letzte Bauphase am Sakralbau wurde unter dem Hermannstädter Baumeister Andreas Lapicida durchgeführt. Der Chor und Glockenturm wurden dabei erhöht und mit Wehrelementen ausgestattet.

Innenansicht
Während den Umbauten zur Wehrkirche erhält der Sakralbau neue Gewölbe im Chor und in den Seitenschiffen. Gleichzeitig wird die Innenausstattung erneuert. An der Südchorwand wird ein prächtiges spätgotisches Sakramenthaus aufgeführt, im Chor eins Renaissancegestühl von 1516, die Sakristei einen Grabstein der Gräfenfamilie Tobiasssi. Den barocken Altar stellte Johann Folbarth 1792 auf, die Orgel von Samuel Maetz aus Birthälm kam 1802 auf die Westempore.

Westportal
Die Kirche beherbergt wertvolle gotische Steinmetzarbeiten: Fenstermaßwerke, Portale, Pfeiler sowie Wasserspeier an den Pfeilern. Sie stammen möglicherweise vom Hermannstädter Andreas Lapicida.

Sakristeiportal
Ein bedeutendes Kunstwerk ist die 1499 datierte Tür des spätgotischen Sakristeiportals. Das Türblatt ist in zwei Felder geteilt und mit reichen Intarsien verziert.

Das Kapitel einer Halbsäule trägt eine Maske als Reliefschmuck

Altar
Auch in der Hetzeldorfer Kirche steht ein Altar gefertigt vom Schäßburger Schreinermeister Johannes Follbarth 1792. Das Mittelbild, eine Kreuzigung, wird von Säulen mit korinthischen Kapitellen flankiert. An den Außenseiten stehen die Plastiken der Apostel Petrus und Paulus. Der Altaraufsatz führt eine Auferstehungsszene.
Sächsisches Bauernhaus

Umgenutzte Terrassen des vormaligen Rebbaus
Der Weinbau war den Siedlern aus ihren Herkunftsgebieten vertraut, und da das Siebenbürgische Hochland insbesondere auf den Südhängen ideale Voraussetzungen bot, wurde neben den Gewerbeerzeugnissen der Wein zum bedeutendsten Ausfuhrgut der Siebenbürger Sachsen bis in die Neuzeit.

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Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos