Kirtsch / Curciu / Küküllőkörös

Dorf und Kirchenburg
Die Gemeinde liegt am Kirtscher Bach, einem nördlichen Zufluss der Großen Kokel, eingebettet in den bewaldeten Kokelburger Höhenzug. Die Ansiedlung der Sachsen fand möglicherweise auf Komitatsboden Anfang des 13. Jahrhunderts statt. Verwaltungsmäßig ist Kirtsch seit 1359 dem Mediascher Stuhl zugeordnet, später im Kokelburger Komitat, mit der Verwaltungsreform 1968 zum heute im Landkreis Hermannstadt. Kirchlich gehörte das Dorf ursprünglich zum Bogeschdorfer Kapitel und ist heute eine Diasporagemeinde im Mediascher Kirchenbezirk. Das Weichbild der Ortschaft erstreckt sich von Norden nach Süden entlang des Kirtscher Baches. Sie wird Große Gasse genannt. Vom Anger nimmt eine Gasse nach Westen ihren Anfang, die Amsergasse. Hinter dem Burgberg entsteht die Hintergasse parallel zur Hauptgasse. Die erste schriftliche Erwähnung der Gemeinde unter der Bezeichnung „Keureus“ geht auf das Jahr 1322 zurück, als der Ortsbewohner Petrus als Zeuge auftritt. Die Burgberger Gräfen Nikolaus und Martin Blavus beschweren sich 1331, dass die Sachsen von Mediasch und Schelk den Ort „Kerustelek“ in die Verwaltung des Königsbodengebietes eingefügt hätten.

Kirchenburg
Die Kirchenburg liegt auf einer Anhöhe im Westen der Gemeinde. Um das Gotteshaus wird im 16. Jahrhundert eine ovale Ringmauer gelegt, die nach Außen von Strebepfeilern gestützt wird. Auf der Ostseite steht der Torturm und in die Mauer eingefügt eine spätgotische, zweigeschossige Kapelle, die als Beinhaus diente. Die Ortsbewohner nennen sie Bastei, links davon ist die Wohnung des Burghüters.

Evangelische Kirche
Im ersten Drittel des 14. Jahrhundert errichtet die Dorfgemeinschaft eine gotische Pfeilerbasilika und Westturm mit dem Patrozinium hl. Johannes. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Seitenschiffe erhöht, so dass das Langhaus zur Hallenkirche, mit Flachdecke wurde. Die Süd- und Westseite der Kirche sind sorgfältig mit Bauplastik gestaltet. An den Strebepfeilern des Chores finden sich Gesichtsmarken, die Fenster haben spätgotisches Maßwerk. Reste von Wandgemälden sind an der Außenwand zu erkennen.

Blick in den Innenraum
Die Hallenkirche ist das Ergebnis des Umbaus von 1810-1814. Die Spitzbogenarkaden des flach gedeckten Mittelschiffs öffnen sich zu den Seitenschiffen. Im oberen Teil sind gotische Obergaden erhalten. Die Westempore datiert auch aus dieser Bauphase. Die Nordwand des Chores birgt die mit Blendmaßwerk eingefasste Sakramentnische und in die Südwand ist eine zweiteilige Sedilie ausgespart. Die drei Schusssteine des Chorgewölbes zeigen einen Pelikan, einen Männermaske und eine Rosette mit Weinblättern.

Wandgemälde
An der Nordchorwand wurden während der Restaurierung Fresken freigelegt. Fast ganz hat sich die Szene mit dem letzten Abendmahl erhalten.

Westportal
Vor die Westwand des Glockenturms ist sorgfältig aus Werkstein gearbeiteter Risalit gesetzt, der das Hauptportal birgt. Seitliche Fialen flankieren das Portal, die Westwand zierte auf Konsolen unter Baldachinen stehenden Heiligenfiguren. Der innere Bogenlauf ruht auf sechs Gewänden, deren Kämpferzonen reich mit Plastik gestaltet sind: Masken, Fabelwesen und floralen Motiven.

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Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos