Kleinprobstdorf / Târnăvioara / Kisekmező

Dorf und Kirchenburg
Angeschmiegt an den Kokler Höhenzug mit der Burgkuppe im Hintergrund, in leichter Hanglage zur Großen Kokel hin liegt Kleinprobstdorf. Das Dorf war im Mittelalter eine Grundherrschaft der Hermannstädter Propstei des hl. Ladislaus und nach Auflösung dieser eine Besitzung der Stadt Hermannstadt. 1503 siedeln die ersten Rumänen auf der Flur Kesselgrund. Die Kirchengemeinde geht in den Jahren 1543-1550 zur Reformation über. König Ferdinand weist in einem Erlass 1552 ausdrücklich hin, dass die Güter Eigentum der Hermannstädter Stadtpfarrkirche sind und nicht für weltliche Zwecke benutzt werden dürfen. Erst 1718 werden die Bewohner von Kleinprobstdorf der Rechtslage des Mediascher Stuhles angeglichen. Anlässlich der Steuererhebung von 1721 wird festgestellt, dass die Bewohner keine Frondienste leisten und nur Steuern abführen. Die meisten Wohnhäuser sind noch aus Holz, der rumänische Ortsteil ist auf 19 Häuser angewachsen. Kirchlich gehörte Kleinprobstdorf zum Bogeschdorfer Kapitel, heute ist der Ort eine Diasporagemeinde im Mediascher Kirchenbezirk. Die Hauptbeschäftigung der Einwohner war über Jahrhunderte der Acker- und Weinbau. Durch den Bau der Eisenbahnlinie und der ersten Brücke über die Große Kokel erschließen sich neue Märkte für die Gemeinde. Die Flurbereinigung von 1908 koste die Gemeinde 12.400 Kronen. Die Bevölkerungsstatistiken ergeben Folgendes: 1850 zählte der Ort 467 Einwohner, 1930 insgesamt 556, davon 130 Rumänen, 406 Deutsche, acht Ungarn und 12 Roma, 1956 insgesamt 611. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts nimmt die Zahl der deutschen Einwohner stetig ab.

Kirchenburg
Um 1500 wird um das Gotteshaus ein ovalerer Bering gebaut. Seine heutige Form erhält er durch Umbauten von 1764. Der Glockenturm wird auf der Ostseite in die Wehrmauer 1854 für 1.700 Kronen errichtet. Bis dahin diente als Glockenturm ein hölzerner Dachreiter über dem Chor.

Evangelische Kirche
Aus dem 14. Jahrhundert datiert die kleine, turmlose Saalkirche mit eingezogenem Chor. Früher war der Sakralbau mit Schindeln gedeckt. Seit 1763 ist der Sakralbau ziegelgedeckt.
Innenansicht
Das Langhaus überdeckt eine Flachdecke, eine umlaufende Empore erweitert den Kirchenraum im 18. Jahrhundert. Im Chor hat sich das gotische Stichkappengewölbe erhalten. Katharina und Michael Scharbo stiften 1852 ein neues Taufbecken.

Altar
Der neugotische Altar wurde 1874 vom Hermannstädter Schreinermeister Johann Bortmess gefertigt. Das Mittelbild, eine Widmung von Elisabeth Werner, malte der Hermannstädter Carl Dörschlag. Die Predella stammt von einem älteren Altar und stellt eine Grablegung dar.

.
Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos