Mardisch / Moardas / Mardos

Ortsname
Wie Walter Scheiner (1926) festgestellt hat, ist der Ortsname kumanischen Ursprungs. Die Bedeutung des Namens ist nicht eindeutig geklärt.

Geschichtliches
1373 zum ersten mal dokumentarisch erwähnt, wahrscheinlich aber im 13. Jh. gegründet.
1516 fand die erste Bevölkerungszählung statt. Mardisch zählte 40 Wirte, drei Witwen, einen Hirten, einen Müller und einen Schulmeister.
1594 wird Christian Barth, als Sohn des Schulmeisters Barth Mardisch geboren. Er wird später, 1647, evangelischer Bischof in Birthälm und stirbt 1652.
Obwohl die Schule in Mardisch, genauer gesagt, ihr Schulmeister erst 1516 erwähnt wird, scheint sie älteren Datums zu sein. Einige der hiesigen Schüler haben später sogar im Ausland studiert. So der spätere Bischof Christian Barth, aber auch schon früher Michael Eckhart de Ardisch. Dieser wurde 1434 an der Wiener Universität immatrikuliert und studierte dort an der Rechtsfakultät.
Über 500 Jahre zogen sich die Streitigkeiten um die Hattertteile „Lang Ebene und Firstenthal“ mit den Adligen von Rosch hindurch. Die Sage erzählt, dass sogar Maria Theresia in das Geschehen eingegriffen hätte.
1740 werden auch Rumänen als Einwohner erwähnt. Mitte des 19 Jahrhunderts lebten in Mardisch 545 Einwohner. Die Bevölkerung war gemischt: Sachsen, Rumänen, Ungarn, Zigeuner.

Kirche
Die gotische Saalkirche mit Westturm entstand Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts. Der Chor zeichnet sich durch die verschiedenartig dekorierten Konsolen aus, auf denen das Kreuzrippengewölbe ruht, unter anderem einer knienden Figur mit einem Korb auf dem Rücken. Die drei Chorfenster haben präzise ausgeführtes Maßwerk mit Drei- und Vierpaßmotiven, Rosette und Fischblasenmotiven. In der Nordwand des Chores existiert ein gotisches Sakramentshäuschen.
Die Kirche war ursprünglich dem Hl. Nikolaus geweiht. Der Pfarrer der Gemeinde beklagte im Jahr 1869 die Vernachlässigung von Kirche und Kirchhof. 1874 wurde die Sakristei abgetragen. Kirchenreparaturen wurden 1913 und 1959 durchgeführt.
Altar
Zur Ausstattung gehört ein Barockaltar von 1789. Der Altar wurde 1789 von einem gewissen Petersberger für 421 fl erstellt. Das Hauptbild mit der Kreuzigung stammt von 1700. Das Altargerüst sowie Teile des Gestühls sind noch in der Kirche vorhanden.
Orgel
Die Orgel wurde1794 von dem bekannten siebenbürgischen Orgelbauer Samuel Mätz gebaut. Sie hatte 10 Register ohne Pedal. Der Hermannstädter Orgelbauer Emanuel Hradik hat sie 1873 renoviert. Im ersten Weltkrieg wurden die Prospektpfeifen für Kriegszwecke konfisziert. Erst 1963, während einer Generalrenovierung, konnten sie ersetzt werden.

Glockenturm
Im Westen der Kirche stand bis 1880 ein Glockenturm, während die Gemeindemitglieder im Wald Holz für die Abstützung des baufälligen Turmes machen – stürzt dieser ein.
Im Nordosten hat sich ein stark hervorspringender Rundturm erhalten. Er diente im 20.Jahrhundert als Glockenturm. 1833 wurde die kleine Glocken von Glockengießer Wolf für 133 fl gegossen.
Glocke
Es hat sich eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert erhalten, die mit gotischen Majuskeln versehen ist. Die anderen zwei Glocken stammen aus dem Jahr 1927. 

Kirchenburg
Die Kirche ist von einer viereckigen Ringmauer umgeben, die ursprünglich eine beachtliche Höhe hatte.Sie scheint auf älterem Gemäuer aufgerichtet worden zu sein. Im Westen stand der Glockenturm mit Turmuhr und Pyramidendach. 1880 eingestürzt. In der Nordostecke steht ein stark hervorstehender Rundturm mit Kegeldach.
Am südwestlichen Eingang in die Kirchenburg befand sich das alte Rathaus. Dessen Obergeschoss wurde 1914 wegen Baufälligkeit abgetragen. Der untere Teil wurde renoviert. Im Nordwesten der Kirchenburg befand sich das Pfarrhaus. 1912 wurde auch dieses gründlich renoviert, nachdem 1910 der Dachstuhl teilweise eingestürzt war.
Eine der Glocken und das Taufbecken befinden sich seit einiger Zeit in Drabenderhöhe, im neu entstandenen „Turm der Erinnerung“ im Altenheim.

Ein Prozess wegen der Hattertgrenze*, der sich vom 13. Jahrhundert bis zum Jahre 1790 mit den Vorfahren und Nachkommen eines gewissen „Farkas Janos“ und „Rovas“ abspielt, einem ungarischen Adelsgeschlecht gegen die Mardischer, lässt ungeheuer tief blicken, wie erbittert dieser Kampf der Mardischer Sachsen um ihre Freiheit und ihren Besitz gewesen ist.

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Text: Fotos: A. Kloos