Marktschelken / Şeica Mare / Nagyselyk

Dorf und Kirchenburg
Am linken Ufer des Weißbachs, direkt an der Straße, die Hermannstadt mit Mediasch verbindet liegt Marktschelken. Vom Anger, auf dem die Kirchenburg und die Schule stehen, nehmen drei Gassen ihren Anfang. Die erste urkundliche Erwähnung der Gemeinde erfolgt 1309. Marktschelken war damals schon der Vorort des Schelker Kapitels und des gleichnamigen Stuhles. Nach und nach verliert Marktschelken aber die verwaltungsmäßigen Kompetenzen zugunsten von Mediasch, bleibt allerdings Marktgemeindegericht bis Anfang des 19. Jahrhunderts. 1532 hat die Gemeinde 81 Hauswirte, bedeutend weniger als Kleinschelken. Mit den Nachbargemeinden Kleinschelken und Schaal gab es zahlreiche Flurstreite. Während des Aufstands der Kurutzen hat der Markt im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts mehrmals abwechselnd unter Aufständischen oder kaiserlichen Soldaten zu leiden. Nicht nur die Ortschaft sondern auch die Kirche wird geplündert. 1805 gibt Marktschelken die Gerichtsbarkeit des Schelker Stuhles an Mediasch ab. Bis in die Neuzeit gab es im Ort Zünfte der Lein- und Wollweber, Schuster, Schmiede, Maurer, Wagner und Töpfer. 1906 wurde die Flurbereinigung umgesetzt. 1850 hatte Marktschelken 1.354 Einwohner. Bei einer Gesamtbevölkerung von 1.733 gab es 1930 in Marktschelken 973 Rumänen, 654 Deutsche, 94 Ungarn und 11 Juden. Zusammen mit den Teilorten Bell, Engenthal, Michelsdorf, und Petersdorf lebten im Gemeindezentrum 2011 insgesamt 4.470 Einwohner, davon waren 41 Deutsche.

Kirchenburg
Im 13. Jahrhundert wurde eine turmlose Basilika hl. Martin errichtet. Bereits zwei Jahrhunderte später umgab man die Kirche mit einer Wehrmauer. Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts wurde die Basilika zur Wehrkirche umgebaut. Die Seitenschiffe wurden abgetragen, das Langhaus erhielt ein Tonnengewölbe mit Tonrippen und der Chor wurde mit einem polygonalen Abschluss versehen. Über dem Chor entstand ein zweigeschossiges Wehrgeschoss mit Gussscharten. Unter der Traufe ist das Vollendungsjahr 1563 zu lesen. Nach einem Gemälde von 1882 hatte die im Grundriss rechteckige Ringmauer vier Wehrtürme.

Evangelische Kirche
Die ursprüngliche romanische Basilika verlor das nördliche Seitenschiff und möglicherweise auch den westlichen Glockenturm.  Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Langhaus nach Westen verlängert und davor der Glockenturm gesetzt. Dabei wurde die Ringmauer komplett abgetragen.

Innenansicht
Das Langhaus wird im Innenraum von seinem spätgotischen Gewölbe geprägt. Die Die West- und Südseite erhalten eine Empore um 1800. Darauf steht die Orgel der Birthälmer Friedrich und Wilhelm Maetz. Die Innenausstattung ist großenteils aus dem Barock.

Altar
Der barocke Altar datiert von 1776.

 

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Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos