Mediasch / Mediaş / Medgyes

Mittelalterlicher Stadtkern
Am linken Ufer der Großen Kokel stieg der nach dem Jahr 1270 gegründete Marktort zum Vorort des Weinlandes auf und erhielt 1545 das Stadtrecht. Gewerbe und Handel prägten das Leben der Stadt. An der Südseite des Kastells lehnt eine Häuserzeile, die auf den Marktplatz blickt; den Platz umstanden weitere öffentliche Gebäude und die Häuser wohlhabender Bürger. 1850 hatte Mediasch 5.337 Einwohner. Die Volkszählung von 1930 erhob 15.505 Personen, davon waren 5.974 Deutsche, 4.204 Rumänen, 3.876 Ungarn, 20 Roma, 702 Juden und 345 Roma und 404 Sonstige. Die zweitgrößte Stadt im Landkreis Hermannstadt zählt bei der letzten Volkszählung 47.209 Einwohner, davon waren 700 Deutsche.

Evangelische Kirche
Die Kirchenburg, das „Kastell“, umschließt die Pfarrkirche mit hohem Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert. Innerhalb der beiden Ringmauern mit vier Türmen und einem Torturm befanden sich vormals das Rathaus, das Pfarrhaus, die Predigerwohnung und die Schule. Das Kastell ist die einzige Kirchenburg, die sich im urbanen Raum erhalten hat.

Zentrum für Lehrerfortbildung
Eines der ältesten Gebäude der Stadt stand schon 1588 und gehörte dem Bürgermeister Hannes Schuller. Das gotische Erdgeschoss wurde in der Renaissance aufgestockt. Nach den umfassenden Restaurierungsarbeiten beherbergt das Haus heute ein Zentrum für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache des Ministeriums für Bildung und Forschung Rumäniens.

Evangelische Kirche
In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete die Gemeinde einen ersten Sakralbau, der archäologisch nachgewiesen wurde. Ein Jahrhundert später wurde eine zweite Kirche gebaut. Von diesem zweiten Gotteshaus beginnt Ende des 14. Jahrhunderts der Neubau der heutigen Hl. Margarethenkirche, die Fertigstellung erfolgte im Jahr 1488. So entstand die heutige Kirche auf der Nordseite als Basilika, auf der Südseite als Hallenkirche, ähnlich der Hermannstädter Stadtpfarrkirche. Während der letzten Bauphase wurde der Turm um drei Stockwerke erhöht und das Dach mit glasierten Ziegeln eingedeckt. Mit seinen 68 Metern ist er einer der höchsten Türme Siebenbürgens und hat eine Neigung nach Nordwesten von 2,32 Metern.

Der Trompeterturm
Auf der Höhe der Turmuhr steht seit dem 17. Jahrhundert in einer Nische eine Figur, das Stundenmännchen, genannt auch Turepitz. Zwischenzeitlich wurde sie in der 1927 durch eine Rolandstatue ersetzt und 1982 durch eine neue, geschnitzt vom Bildhauer Kurtfritz Handel angebracht. Sie schlug über einen Mechanismus jede volle Stunde.

Das Langhaus der Margarethenkirche
Das Mittelschiff überwölbt ein Tonnengewölbe. Die Rippen ohne Kapitelle steigen aus Diensten der Säulen zur Tonne. Im den zwei östlichen Jochen des südlichen Seitenschiffs wurde 1611 die Schneiderempore eingezogen. Sowohl das nördliche Seitenschiff als auch die Nordwand des Mittelschiffs haben ältere Wandgemälde. Auf der Nordwand finden sich Szenen von der Geschichte der christlichen Blutzeugen oder die alttestamentarische Szene, in der Manna vom Himmel fällt. Es folgt eine Dornenkrönung Jesu und danach das Martyrium der Zehntausend, darunter in gotischen Minuskeln (Übersetzung aus dem Lateinischen):„Dieses Werk wurde vollendet im Jahr des Herrn eintausendvierhundertzwanzig“. Es folgt auf einem Bogen zur Nordschiff hin die Szene des Stammbaums Jesse. Im zweiten Feld der Nordwand finden sich eine Pieta und die Beweinung Christi nach der Kreuzabnahme, vom Anfang des 16. Jahrhunderts.

Spätgotischer Flügelaltar
Einem unbekannten Künstler aus dem Kreis des Wiener Schottenaltars verdankt die Kirche ihr wertvollstes Kleinod, den Hauptaltar aus den Jahren 1480-1488. Er umfasst acht gemalte Szenen des Leidenswegs Christi. Die Festtagsseite und der Altarschrein gingen im Bildersturm verloren.

Anatolische Teppiche
Besonders wertvoll ist die Sammlung vorwiegend anatolischer Teppiche vom Anfang des 17. Jahrhunderts, die der Kirche von Kaufleuten für das Gotteshaus geschenkt wurden. Besonders hervorzuheben sind die Vogelkopf-, die Gebetsnischen- und der sehr selten angetroffene Skorpion-Teppich.
Grabstein der Barbara Theilesius
Der Hermannstädter Bildhauer Elias Nicolai hat Barbara Theilesius, geborene Schlemmer inmitten ihrer vier betenden Kinder dargestellt.

Wandgemälde
Im Bogenfeld in Richtung Triumphbogen ist ein Passionszyklus dargestellt. Dabei fehlt die Szene der Kreuzigung.

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Text: M. Rill, Fotos: M. Rill, A. Kloos