Nimesch / Nemşa / Nemes

Dorf und Kirchenburg
Südöstlich von Mediasch, an einem Bach der in den Meschner Bach mündet liegt Nimesch an den Ausläufern des Harbach-Hochlandes. Anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung von 1359 nimmt der Nimescher Gräf Roymarus an der Hermannstädter Provinzversammlung teil. Nimesch war im Mittelalter eine freie Gemeinde im Kapitel und Mediascher Stuhl. In den Anfangsjahren bestimmen die Gräfen das Dorfleben.1532 lebten im Dorf 40 Hauswirte. Zehn Jahre vorher erließ König Ludwig II. dem Ort für drei Jahre die Steuern, weil ein Brand viele Häuser zerstörte. Im Zuge der Eroberung Siebenbürgens durch die Habsburger werden die Kirchenburg und die Gemeinde von Kaiserlichen Soldaten geplündert. Ein wichtiger Wirtschaftszweig war der Weinbau. Ohne diese Einkünfte konnte die Gemeinschaftsbauten nicht erhalten werden. In der Amtszeit von Pfarrer Stephan Ludwig Roth lässt sich eine Württemberger Familie nieder und produzierten Rohre für den Webstuhl. 1894 wurde die Flurbereinigung durchgeführt. Die Statistik erhob 1850 im Dorf eine Gesamteinwohnerzahl von 498 Personen.1930 lebten im Ort 489 Deutsche bei einer Gesamtbevölkerung von 702 Bewohnern. Heute ist Nimesch ein Dorf im Landkreis Sibiu und gehört verwaltungsmäßig zu Meschen.

Kirchenburg
Eine einfache Ringmauer umgab das Gotteshaus. Sie hatte je einen Wehrturm auf der West- und Ostseite, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurden. Im Nordosten wurde 1869 der heutige Glockenturm gebaut.

Evangelische Kirche
Um 1400 beginnt die Dorfgemeinschaft mit dem Bau einer turmlosen gotischen Saalkirche mit eingezogenem Chor und Sakristei, die dem hl. Johannes geweiht war. Den Innenraum der turmlosen Saalkirche erreicht man über die Portale der Nord- und Südseite. Das Kirchenschiff hat abgesehen vom Altar eine klassizistische Ausstattung und eine Orgel von Orgelbauer Wilhelm Hörbiger. Der Chor führt ein Kreuzgewölbe mit Stichkappen, das Langhaus eine spätes Segelgewölbe auf Gurtbögen. Die Nordchorwand birgt eine Sakramentnische. Den einstigen Altar ersetzt heute ein schlichtes Kreuz. Er ist im der Stadtpfarrkirche Mediasch gesichert.

Wandgemälde
Während der Renovierungsarbeiten von 1920 wurden an den Chorwänden Fresken aus dem 15. Jahrhundert entdeckt und teilweise freigelegt. Die insgesamt sechs Bilder zeigen die Heiligen: Katharina, Dorothea, Petrus und Paulus, die Gefangennahme Jesu und Jesus Christus als Schmerzensmann.

Altar
Im 16. Jahrhundert ließ die Kirchengemeinde einen neuen Altar aufstellen. Dieser wird dem Umfeld der Hermannstädters Malers Vincencius Cibiniensis zugerechnet und ist vergleichbar mit dem Altar in Großschenk. Die Predella bedeckt ein Martyrium eines unbekannten Heiligen. Das Mittelbild, eine Kreation des 19. Jahrhunderts zeigt unter einem Bogenfries Christus umrahmt von Paulus und Moses, anstelle der im Bildersturm abhanden gekommenen Schrein Figuren. In der oberen Lünette ist die Szene mit der Taufe Jesu.

Sagen
Nimesch ist ein sächsisches Dorf zwischen Reichesdorf und Meschen. Als die deutschen Siedler hier ankamen, sahen sich die Gegend an und weil sie ihnen gut zum Anbau schien, wollten sie sich hier niederlassen. Um aber mit den Nachbarn in keinen Streit zu geraten, gingen sie zu erst zu den Meschnern und fragten sie ob sie die Gegend in Besitz nehmen dürfen. „Nimm es“ antworteten diese. Darauf gingen Sie zu den Reichesdörfern und fragten sie ebenso u. erhielten auch dieselbe Antwort. So bekamen sie den Grund und nannten die neue Ansiedlung Nimes oder Nimesch.

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Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos