Rosch / Răvăşel / Rovás

Dorf und evangelische Kirche
Am Oberlauf des Kaltbachs, einem östlichen Zufluss der Weiß nahe Mardisch, liegt Rosch, erstmals 1394 urkundlich erwähnt. Damals wurden in ihren Besitz, ein Fünftel des Dorfes, Johannes und Ladislaus im Ort eingeführt. Aus der Urkunde ist ersichtlich, dass Rosch die Grundherrschaft mehrerer Adliger war. Kirchlich war der Ort Bestandteil der Magareier Surrogatie im Repser Dekanat und verwaltungsmäßig im Weißenburger Komitat. Heute ist Rosch eine Ortslage der Gemeinde Mihăileni im Landkreis Hermannstadt. Kurze Zeit danach erwarb ebenfalls ein Fünftel der Schäßburger Pfarrer Petrus. Einen anderen Teil besaß Andreas aus Mediasch. Im Jahr 1400 verkaufte Nikolaus von Nimesch für 40 Goldgulden einen mit Leibeigenen besetzten Hof. Mehrere sächsische Gräfen erwarben Eigentum im Laufe des 15. Jahrhunderts in Rosch. So sah sich König Matthias genötigt, durch königlichen Erlass die sächsischen Anteile in Rosch von der Komitats Gerichtsbarkeit zu befreien und unter die Gerichtsbarkeit des Königsbodens zu stellen. Weiteres Eigentum erwarb später die Marienkirche in Hermannstadt. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Rosch von den Kurutzen gebrandschatzt. Sie beschädigten auch die Kirche und warfen eine Glocke vom Turm herunter. Erst nach Aufhebung der Leibeigenschaft konnte sich die Gemeinde wirtschaftlich festigen und erwarb den letzten Adelsbesitz, einen Wald von der Gutsherrschaft für 26.000 Kronen. Trotzdem blieb die Einwohnerzahl niedrig, so dass die Kirchenbehörde im Jahr 1870 Rosch mit der evangelischen Gemeinde Mardisch vereinigte. 1850 lebten in Rosch 458 Einwohner. Die Volkszählung ermittelte 1930 bei einer Gesamtbevölkerung von 528 Personen, 277 Deutsche, 247 Rumänen und vier Ungarn. Die Volkszählung 2002 ergab folgende Einwohnerstatistik: Gesamteinwohner 155, davon waren 117 Rumänen, zwei Ungern, 7 Deutsche und 29 Roma.

Evangelische Kirche
An einem Hang nördlich der Hauptgasse steht die evangelische Kirche. Der Vorgängerbau datiert möglicherweise aus dem 16. Jahrhundert, ihr heutiges Aussehen erhält die Kirche nach Umbauten 1825. Die Saalkirche, mit Flachdecke im Schiff, hat einen halbrunden Chorschluss und einen westlichen Glockenturm.

Evangelische Kirche
In der Glockenstube des Kirchturmes hängt eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert mit der Inschrift „O rex glorie veni cum pace“.

Innenansicht
Die Ausstattung ist größtenteils Spätbarock. Den Altar fertigte der Schreinermeister Johannes Kreger 1751. Vom Vorgängerbau hat sich ein Lesepult von 1538 erhalten.
1874 kaufte die Kirchengemeinde die Orgel aus Meschen. Das Orgelwerk baute Johannes Hahn 1791 in ein älteres Prospekt, das Adolf und Joseph Valepagi 1791 farbig fassten. 2003 wurde die Orgel nach Mühlbach überführt.

Kanzel
Der Kanzelkorb aus Sandstein und der barocke Schalldeckel scheinen ebenfalls vom Vorgängerbau zu stammen

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Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos