Scharosch a. d. Kokel / Şaroşu pe Târnave/ Szászsáros

Dorf und Kirchenburg Scharosch an der Kokel
Scharosch liegt vor der Mündung des Birthälmer Baches in die Große Kokel, direkt an der Landstraße, die Mediasch mit Schäßburg verbindet.1283 erfolgte die ersten urkundliche Erwähnung. Kirchlich gehört die Gemeinde zum Mediascher Dekanat, verwaltungsmäßig ist der Ort eine freie Gemeinde im Mediascher Stuhl. Bis ins 15. Jahrhundert muss sich Scharosch immer wieder gegen die Übergriffe der mächtigen Hetzeldörfer Gräfen wehren. 1532 leben im Dorf 121 Hauswirte. Die Söldner des siebenbürgischen Fürsten stürmen 1605 die Kirchenburg und plündern die Kirche und das Dorf. Es folgt ein wirtschaftlicher Niedergang, der die Gemeinde zwingt, ein Darlehen von 1.500 Gulden vom Fürsten Michael Apafi II. aufzunehmen. Dafür verpfänden sie das Flurstück Hewes in der Au der Großen Kokel. Zwar zahlte Scharosch 1733 die Schulden zurück, doch es begann um das Flurstück Hewes ein Rechtsstreit mit Elisabethstadt, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts andauerte. 1862 veröffentlichte der Rechtgelehrte Friedrich Schuler von Libloy in einer Publikation die Scharoscher Nachbarschaftsartikel, die Leichen-, und Sittenordnung, sowie die Artikel der Bruderschaft. Es ist ein wichtiger Beitrag zur siebenbürgischen Rechtsgeschichte. 1930 Scharosch zählte 1.060 Einwohner, davon waren 558 Deutsche. Seit der Gebietsreform 1968 ist gehört Scharosch heute zur Stadt Dumbrăveni.

Flugbild der Kirchenburg
Auf einer höher gelegenen Terrasse am Südufer der Großen Kokel entstand wohl kurz nach der Ortsgründung eine romanische Kapelle, dann im 14. Jahrhundert eine dreischiffige turmlose Basilika, der hl. Helene geweiht. Eine letzte Erweiterung mit der Erhöhung auch des Langhauses fällt ins 18. Jahrhundert. Mitte des 15. Jahrhunderts ist der Sakralbau befestigt worden. In die einfache Ringmauer fügten sich vier Türme und ein Torturm mit Fallgatter.

Evangelische Kirche
Umbauten im 16. Jahrhundert ergaben einen kreuzförmigen Grundriss. Die Seitenschiffe verschwanden bis auf die östlichen Joche, ein Querhaus und eine Sakristei kamen hinzu. An die Westseite wurde ein Glockenturm angebaut.

Innenaufnahme der Evangelischen Kirche
Im Innenraum führen zwei seitliche Holzemporen von der gemauerten Westempore zum Triumphbogen. Das spätgotische Gewölbe wurde 1810 durch eine Flachdecke ersetzt. Den barocken Altar fertigte Johann Folbarth 1774. Das Mittelbild, eine Kreuzigung wird von Holzplastiken flankiert. Das Taufbecken ist klassizistisch.

Portal
Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Glockenturm vor die Westfassade der turmlosen Basilika aufgeführt. Das Westportal wird durch Birnstab, Rundstab und Hohlkehlen gegliedert. Im Bogenfeld ist ein angeblendetes gotisches Maßwerk angebracht.

Aussaat von Mais
Auf den Feldern in Richtung Birthälm wird noch traditionelle Landwirtschaft betrieben.

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Text: M. Rill, Fotos: G. Gerster, M. Rill, A. Kloos