Restaurierung der Kirchenburg Birthälm

Die derzeitige Bauphase sollte im Prinzip Ende des Jahres beendet sein, es werden aber noch einzelne kleinere Arbeiten und Nachbesserungen ausstehen. Da in den Wintermonaten bei Frost die meisten Arbeiten nicht durchgeführt werden können, wird ein Abschluss der derzeitigen Bauphase für das Frühjahr 2015 geplant.

Die derzeitigen Restaurierungsmaßnahmen im Detail

Oberflächendrainage, Wege und Pflasterungen
Die zentrale Bedeutung einer funktionierenden Oberflächendrainage wurde von allen Experten immer wieder hervorgehoben. Eine Veränderung der Feuchteverhältnisse im Untergrund ist die größte Gefahr für die Standsicherheit der Gebäude, insbesondere der mächtigen Kirche, die im Osten und Westen dicht am Hang gebaut ist. In der Vergangenheit fehlerhaft eingebaute Drainagerohre und Wandabdichtungen, sowie eine nicht mehr funktionierende Oberflächendrainage hat bereits zum Teileinsturz der inneren Ringmauer im Osten geführt und die Bodengutachten haben in neuralgischen Bereichen eine überhöhte Feuchte im Untergrund nachgewiesen. Als erste Maßnahme ist der alte, viel zu kleine, brüchige und verstopfte Kanal durch neue für starke Regenfälle ausgelegte Kanalleitungen bis in den Bach ersetzt worden. Alle Wege und Oberflächen werden mit klar definierten Gefällen und gepflasterter Drainageführung neu verlegt. Dies ist in Teilen auf der Nordseite der Kirche bereits geschehen.

Quelle: Jan Hülsemann, Architekt und Projektkoordinator

Die Treppenstiege

Die hölzerne Treppenstiege ist in ihrer derzeitigen Form inschriftlich auf das Jahr 1927 datiert. In den vergangenen 85 Jahren waren die Stufen, direkt auf das feuchte Erdreich und seitlich in das feuchte Mauerwerk gesetzt, bis auf die Oberfläche vollkommen verrottet, verrutscht und instabil geworden. Alle Stufen werden ersetzt und auf neue, stabile und feuchteisolierte Fundamente gesetzt und dabei Grundsätze des konstruktiven Holzschutzes berücksichtigt. Die oberen 7 Läufe der Treppenstiege sind fertiggestellt und werden zum heutigen Tag der offenen Tür für die Öffentlichkeit freigegeben. Das Dach ist provisorisch repariert, jedoch ist die verwendete gesägte und genutete Schindeldeckung insgesamt nicht dicht und sollte dauerhaft ersetzt werden.

Quelle: Jan Hülsemann, Architekt und Projektkoordinator

Die Ringmauern

„Wie Sie sehen, sieht man nichts“ – dieser Grundsatz für Reparatur- und Konservierungsarbeiten besagt, dass die Arbeiten so angepasst durchgeführt worden sind, dass ein Unterschied zur originalen Substanz kaum erkennbar ist. Dies betrifft insbesondere die Reparaturen an den Ringmauern. Abgesehen von den neuen Mauerkronen werden die Mauerflächen so behutsam instand gesetzt, dass ein Unterschied nur erkennt, wer die maroden Mauerabschnitte vorher bewusst wahrgenommen hat. Insbesondere an diesen Flächen werden Aspekte des Naturschutzes berücksichtigt, indem seltene Farne sowie Schlupfwinkel für Insekten und Amphibien erhalten bleiben. Ein Neubewuchs durch wilden Wein wird ermöglicht. Allein aufgrund der Masse der Ringmauern ist deren Instandsetzung die größte Einzelmaßnahme der derzeitigen Bauphase.

Quelle: Jan Hülsemann, Architekt und Projektkoordinator

Der Glockenturm

Die Reparatur des Glockenturmes ist die zweitgrößte Einzelmaßnahme der derzeitigen Bauphase. Von den teilweise verrotteten Schwellen bis hin zur löchrigen Schindeldeckung sind etwa 300 Einzelschäden aufgenommen und kartiert worden. Diese werden in traditioneller handwerklicher Arbeit repariert. Hölzer bis zu einem Querschnitt von 32x30cm und knapp 8m Länge sind inzwischen wieder unter der Last des Turmes und der Glocken eingebaut worden, eine große logistische und handwerkliche Leistung der Zimmerleute unter Leitung des Reichesdorfer Zimmermanns Christian Rummel.

Quelle: Jan Hülsemann, Architekt und Projektkoordinator

Die statische Sicherung der Kirche / Rissmonitoring

Die Ursache der Rissbildungen im Mauerwerk der Kirche ist unter den Fachleuten und Statikern lange Zeit umstritten gewesen. In einem kontinuierlichen Rissmonitoring seit dem vergangenen Frühjahr konnte inzwischen nachgewiesen werden, dass die derzeitigen Bewegungen im Mauerwerk ausschließlich auf saisonale Feuchtigkeitsschwankungen zurückzuführen sind und nicht auf Bewegungen im Untergrund.  Wo aber die ursprünglichen Ursachen für die Risse liegen, ist noch nicht hinreichend geklärt. Evident sind frühere Reparaturen in diesen Bereichen (etwa nach dem verheerenden Erdbeben 1802(a)), die teilweise ohne ausreichende Verzahnung zum angrenzenden Originalmauerwerk durchgeführt worden sind. In einzelnen behutsamen Schritten werden diese Bereiche weiter freigelegt und dann mit den Statikern diskutiert, welche Reparaturmaßnahmen letztlich angewendet werden sollen. Zur Befestigung des Untergrundes werden jedoch über die bereits erwähnte Instandsetzung der Oberflächendrainage keine weiteren Maßnahmen geplant.

Die Sicherung und Konservierung des Gestühls in der Kirche

Das wertvolle Gestühl der Kirche aus dem Jahr 1515(i) ist teilweise stark von Insekten befallen. Ein Stoppen dieser rapide fortschreitenden Zerstörung war dringend geboten und wurde in diesem Sommer als erste Notmaßnahme zur Konservierung durchgeführt. Darüber hinaus war aber auch klar, dass erst nach dem Abrücken der Elemente von den Wänden und dem Öffnen der Böden das wahre Ausmaß der Schäden erkannt und damit die Kosten zu einer umfassenden Instandsetzung kalkuliert werden können. Dies sollte möglichst im Anschluss an die derzeitige Notkonservierung in Auftrag gegeben werden. Eine Anschlussfinanzierung hierfür und für eine klare Gliederung der Bestuhlung in der Kirche insgesamt wäre von vitaler Bedeutung für den Bestand und auch für die Zugänglichkeit der Kirche für die wachsenden Besucherströme.
In diesem Zusammenhang muss auch eine konstante Klimatisierung der Kirche zur Bestandsicherung eingeplant werden, um insbesondere die nachgewiesene Belastung durch Kondensationsfeuchte zu verringern.

Die Konservierung und Neuaufstellung der Epitaphien

Die Konservierung und Neuaufstellung der 9 Epitaphien und 3 Gedenktafeln der Bischöfe Birthälms ist ein weiterer Schwerpunkt der derzeitigen Arbeiten. Die Epitaphien befanden sich insbesondere durch den Einbauzustand in zementhaltigem Mauerwerk in einem rapide und dynamisch fortschreitenden Zerfallsprozess durch bauschädigende Salze. Allein der Ausbau und die Umlagerung der tonnenschweren Steine war eine große logistische Herausforderung. Derzeit werden die Steine in der Kirche unter der Orgelempore konserviert. Die einzelnen Arbeitsschritte hierzu sind: behutsames Abstemmen der Zementkrusten, Entsalzung in mehreren Stufen im Wasserbad und mit Kompressen mit destilliertem Wasser, Reinigung und Festigung der Oberflächen, weitere Untersuchungen zu ehemaligen Farbfassungen, Ansetzten abgebrochener Stücke. Zwei Epitaphien sind gebrochen und müssen mit speziellen Dübeln zusammengefügt werden.
Die Epitaphien stellen in ihrer Gesamtheit anschaulich die Entwicklung der Steinmetzkunst über die Jahrhunderte dar. Dies soll mit der künftigen Neuaufstellung besser hervorgehoben werden. Die Epitaphien werden frei in Metallgestellen aufgestellt und dabei soll auch der Raum im Mausoleumsturm mit seinen Schiesscharten besser zur Geltung kommen.

  • Die Konservierung und Teilrestaurierung der Fresken im Katholischen Turm
    Auch die Fresken aus vorreformatorischer Zeit sind durch Salze und Verschmutzungen stark geschädigt und werden derzeit konserviert und in einem kleinen Teil restauriert.
  • Die Rekonstruktion des Untergeschosses im Rathausturm und eines Teilstückes des Wehrganges am Rathausturm
  • Neubau eines Burgcafés und einer Toilettenanlage am Südtor im unteren Bering
  • Öffnung und Neugestaltung der Freifläche zwischen den Ringen im Süden und Osten

Noch in dieser Bauphase durchzuführende Arbeiten:
Reparatur der Dachdeckung und der Traufen der Kirche und der Türme

Quelle: Jan Hülsemann, Architekt und Projektkoordinator

Ausblick

Folgende weitere Maßnahmen sollten an dem Kirchenensemble von Birthälm dringend durchgeführt werden, um den Bestand auf Dauer zu erhalten. Diese Arbeiten können jedoch aus dem derzeitigen Budget nicht durchgeführt werden. Jede Spende trägt daher zum substantiellen Erhalt der Kirchenburg bei und wird zielgerichtet eingesetzt.

  • Die statische Sicherung des Sakristeidaches
  • Substantielle Mauerwerks- und Putzreparaturen an der Kirche
  • Erneuerung des Fassadenputzes der Kirche
  • Weiterführende Konservierung und Instandsetzung der hölzernen Einbauten in der Kirche
  • Die Konservierung und Teilrestaurierung der Werksteinarbeiten an der Kirche (Portale, Sockel, Fenster, Ornamente)
  • Die Erneuerung des Fußbodens in der Kirche mit Caramida
  • Die statische Sicherung des Dachstuhles vom Mausoleumsturm
  • Neudeckung der Treppenstiege
  • Die Erweiterung und Neugestaltung des Wegenetzes zwischen den Ringen
  • Geringe Reparaturen und die teilweise Einbeziehung der anderen Türme in das Besucherprogramm
  • Dach, Ausbau und Einrichtung des Burgcafés
  • Weiterführende Forschungen zur Baugeschichte der Anlage
  • Eine umfangreiche Dokumentation über die Kirchenburg und die derzeitige Instandsetzungsphase

Quelle: Jan Hülsemann, Architekt und Projektkoordinator

Nach einer zweijährigen Planungs- und Genehmigungsphase mit umfangreichen eingriffsfreien Bestandsaufnahmen, Voruntersuchungen, Analysen und Expertisen hat im Sommer 2013 eine erste Bauphase begonnen. Art und Umfang dieser Arbeiten sowie deren aktuellen Stand möchten wir heute an diesem „Tag der offenen Tür“ vorstellen.
Ziel der Planungsphase war es, in einer Gesamtdokumentation den gesamten Bedarf zur Konservierung, Restaurierung und behutsamen Entwicklung der Kirchenburg aufzuzeigen und für ein Genehmigungsverfahren für dieses UNESCO-Weltkulturerbe aufzuarbeiten, gleichzeitig auch ein Bewertungssystem anzuwenden, um Prioritäten für eine erste Bauphase mit begrenztem Budget festlegen zu können. In diese Bewertung sind unmittelbare und längerfristige notwendige Maßnahmen zur Bestandsicherung der baulichen Anlagen als wertvolles Kulturerbe eingeflossen, sowie Kriterien zur Sicherung und Entwicklung der Kirchenburg als Besuchermagnet. Schließlich haben auch die unterschiedlichen Interessen der Kirchengemeinde sowie der geldgebenden Stiftungen Berücksichtigung gefunden.
Zur Finanzierung der Planung und einer ersten Bauphase mit einem Gesamtvolumen von 400.000 Euro haben sich neben der Siebenbürgisch-sächsischen Stiftung (SSB) als Initiatorin und federführenden Institution die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der World Monument Fund (WMF) zu je etwa einem Drittel zusammengetan.
Bereits in die Planungsphase sind gegenüber vorherigen Planungen und Untersuchungen einige neue Aspekte einer zeitgemäßen Bauforschung eingeflossen: so sind dendrochronologische Datierungen an den Holzkonstruktionen vorgenommen worden, die neue Erkenntnisse zur geschichtlichen Entwicklung gebracht haben. In wissenschaftlichen materialkundlichen Laboruntersuchungen konnten Steinqualitäten und deren Belastung etwa durch bauschädigende Salze bestimmt werden. Durch die DBU ist der in der Denkmalpflege innovative Ansatz einer naturverträglichen Mauerwerksinstandsetzung eingeführt worden, in dem Aspekte des Denkmalschutzes mit denen des Naturschutzes verknüpft werden.
Ein wichtiger Grundsatz für die Bauphase war es, möglichst nur Materialien aus lokaler handwerklicher Produktion einzusetzen. Dies bedeutet eine vorausschauende Planung und Beschaffung der notwendigen Materialien. Bereits im Winter 2012-13 und wieder im Winter 2013-14 wurde das Holz zur Reparatur der instabilen Konstruktionselemente und zum Neubau der geplanten Konstruktionen eingeschlagen. Über 70Raummeter Eichenholz aus der Region wurde in Stämmen auf die Pfarrwiese gebracht, dort ein eigenes Sägewerk aufgebaut und im Laufe des Frühjahr 2014 nach Bedarf zugeschnitten. Bei mehreren Manufakturen wurden handgestrichene Mauerziegel (Caramida) und Dachziegel (Tigla) in wetterfester Qualität in Auftrag gegeben, von denen inzwischen der größte Teil hergestellt, gebrannt und nach Birthälm geliefert ist.
Auch die ausführenden Handwerker, Maurer und Zimmerleute sind Kleinbetriebe aus der Region, geführt von der kleinen aber sehr kompetenten Firma J&K SRL aus Malmkrog, und ergänzt von einzelnen freiwilligen Kurzzeiteinsätzen deutscher Handwerker. Bestimmte Restaurierungsarbeiten etwa an Frescen und Werksteinen dürfen allerdings nur von eigens dafür zugelassenen Spezialisten durchgeführt werden. Diese Arbeiten wurden entsprechend beauftragt.

Quelle: Jan Hülsemann, Architekt und Projektkoordinator